Abenteuer mit Kind – Bali individuell erleben

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Backpacking ist mir ins Blut übergegangen – aber nach all den Jahren Pause muss ich zugeben, dass ich Respekt hatte. Mit Kind den langen Flug überstehen, alle Notfallmedikamente dabei haben, in der Hitze den Backpack tragen und Kind betreuen. Mein Freund, der zu der Zeit bereits fast zwei Jahre Teil unseres Lebens […]

Backpacking ist mir ins Blut übergegangen – aber nach all den Jahren Pause muss ich zugeben, dass ich Respekt hatte. Mit Kind den langen Flug überstehen, alle Notfallmedikamente dabei haben, in der Hitze den Backpack tragen und Kind betreuen. Mein Freund, der zu der Zeit bereits fast zwei Jahre Teil unseres Lebens geworden ist hatte eine derartige Reise auch noch nie gemacht. Er ist zwar gereist, aber nie mit Backpack, ohne Pauschalreise, einfach so.

Der Kompromiss, der mir die nötige Zuversicht brachte war, im Voraus eine Route zu planen und Unterkünfte zu buchen, damit man diese nicht erst vor Ort suchen muss. Es stellte sich heraus, dass das eine Herkulesaufgabe ist. Sie hat sich aber ausgezahlt. Besser konnte der Urlaub nicht geplant sein.

Bali war neu für mich. Noch nie da gewesen, obwohl ich viel in Südostasien unterwegs war. Damals noch mit dem Roller oder Moped. Deshalb war auch das neu für mich: wie organisiere ich den Transport zwischen den Stationen ohne meinen Zweiwheeler? Es gab zunächst mehr Fragen als Antworten. Einmal da gewesen, haben sie sich in Luft aufgelöst oder eher in pures Glücksgefühl verwandelt.

Im Folgenden werde ich unsere unsere Reiseroute beschreiben. Station für Station. Emotion, Guten und Negatives. Gerade so, wie wir sie empfunden haben.

Unsere Route

Ankunft in Bali

Die feuchte Hitze und tropischer Regen schlägt uns entgegen. Die erste übermüdete Reaktion meines Freundes und Rice war: „du hast doch gesagt hier sei es immer schön“. Oh weia. „Ist euch kalt“? war meine Reaktion – und da realisierten sie es. Die Gesichtsausdrücke waren herrlich zwischen all den Taxifahrern, die uns überrannten und uns eine Fahrt anbieten wollten. Wir hatten bereits einen Fahrer, der auf uns wartete – das nimmt vor allem mit Kind viel Spannung raus. Man muss nicht mehr verhandeln oder auf ein Taxi warten, welches zum lokalen Tarif fährt.

Sanur

Wir fuhren bereits spät abends noch ca. 45 min bis nach Sanur. Unser erstes Paradies. Wobei – als wir spät abends im Dunkeln ankamen, war die Beleuchtung im Hotel nur noch spärlich. Jemand schlappte schlaftrunkend zur dunklen, nicht gut erkennbaren Rezeption, die nur überdacht war und fragte im typisch indonesisch englisch was wir denn bräuchten. Dann wurde Licht angemacht und wir herzlich willkommen geheißen – inklusive frischem Fruchtsaft. Auch wenn ich in dem Moment aufgrund der Wartezeit darauf hätte verzichten können. Man kommt halt als zeitlich getakteter Europäer an, hat viele Stunden Flugzeit hinter sich und will nur noch ins Zimmer. Vor allem das Kind.

Aber es ist ein gutes Training gleich am Anfang mit den Schultern zu zucken und sich stattdessen umzuschauen und die Zeit schon etwas stehen bleiben zu lassen.

Das Tamukami Hotel war ein absolutes Paradies. Schöner kann man es kaum treffen. Wir bekamen auch noch Bier vom Nachtwächter – auf Vertrauensbasis, dass wir es schon in der Endabrechnung erwähnen würden.

Moskitonetz für mein Sohn aufgepoppt, lag er schon drin und schlief selig. Selig war ich am nächsten Morgen – Palmen vor der Nase, die Hitze des Tages schon riechend, direkt auf den Balkon mit Blick auf türkisfarbenen Pool, Orchideen an den Palmenstämmen und Hirschfarne and anderen Bäumen. Ein leuchtendes duftendes Paradies aus Frangipani Blumen und Granatapfelbäumen, zusammen mit dem regelmäßigen Geräusch des Fegens der Mitarbeiter, die schon früh alles sauber machen.

Die Erkundungsphase in Sanur trieb uns zunächst die Straße entlang. Auf der Suche nach kleinen Stores, wo wir Knabberzeugs für Zwischendurch kauften, Wasser und Bintang. Wir liefen weiter bis zum Marktgelände, wo leider schon alles geschlossen war, wir aber einen Shop mit den schönsten exotischen Früchten vorfanden. Da wurde direkt unbekanntes probiert und natürlich Mangos, Minibananen, Papaya und weitere exotische Früchte gekauft. Über Opfergaben hinweg, die Eingänge und Straßenkreuzungen bedeckten fanden wir zur Mittagshitze zurück, aßen im nahegelegenen Restaurant eine Kleinigkeit und machten Siesta.

Nachmittags ging es dann zum Strand. Herrlich. Straßenverkäufer mit Maiskolben und anderen Köstlichkeiten wurden direkt von Rice ausprobiert. Da merkte ich zum ersten Mal den Unterschied der Voreingenommenheit zwischen Erwachsenen und Kindern. Mein Freund schaute skeptisch auf das Streetfood, während Maurice sofort wusste was er wollte und herzhaft zulangte.

Es war eine Herausforderung Liegen zu finden, für die nicht eine überteuerte Gebühr verlangt wurde, was mich ärgerlich stimmte, denn das kannte ich von Südostasien noch nicht. Wir fanden unser Platz aber und ließen uns nicht auf große Ausgaben ein. Ein Tuch im Sand reicht auch.

Das was wir da gespart hatten, ging abends dann für Cocktails und Essen drauf, da wir uns mit Jetlag und Kind einfach im erstbesten Restaurant direkt am Strand ein Abendessen gönnten. Das Beste war es jedoch nicht und die Cocktails können auch kaum als solche bezeichnet werden.

Die zwei Tage danach ließen wir es uns gut gehen und kamen richtig an. Poolzeit. Strandzeit. Hervorragendes Abendessen und Cocktails in einer Reggea Bar an der Hauptstraße – immer gut besucht. Live Musik brachten alle restlichen Zellen, die noch mit Jetlag zu kämpfen hatten in Schwung.

Kokosnüsse, Säfte, Bintang und entspannt am Pool ein Nickerchen machen. Während einer von uns natürlich immer sportlich mit Kind im Wasser war.

Und dann war die Zeit weg – wir organisierten uns bereits den Transport im eigenen Auto mit Fahrer zur nächsten Station: Ubud.

Die Reise dorthin war abwechslungsreich und mit vielen Eindrücken belegt. Der Fahrer fragte uns was wir alles sehen wollten – das ist ohne Aufpreis möglich. Er brachte uns zu einer Kaffeerösterei, wo wir diverse Kaffees verkosteten. Wir konnten Zeugen der Röstungen über Feuer und der Tiere werden, die die Kaffeebohnen durch fressen und ausscheiden ‚veredeln‘. Naja, die Erwartung etwas zu Kaufen ist natürlich da. Also kauften wir ein paar Souvenirs für unsere Eltern und Freunde. Als die Fahrt weiterging, wurden wir hungrig und fragten, ob der Fahrer an einem Warung anhalten könne. Er versicherte sich, dass ein Warung gut genug sei oder ob es ein Restauran sein müsse. Nein – wir sind Backpacker. Wir wollen möglichst lokal essen und ein Warung. Dass wir dann in einem solchen Paradies enden würden war sogar dem Fahrer eine Überraschung. Koiteiche, kleine Bambushütten mit Tisch. Eine für jede Gruppe. Rice sprang über die Steine im Koiteich und war selig. Wie auch wir mit unserem Bintang und hervorragendem Essen. Auch wenn es dauerte. Zeit spielt keine Rolle.

Ubud

Nach einer kurzen weiteren Fahrt näherten wir uns unserem Hotel – etwas außerhalb Ubuds und die Straßen wurden bedenklich holprig, schmal und der Weg zum Hotel samt des Eingangs erschien mystisch, fast etwas unheimlich. Dort angekommen wurden wir langsam aber herzlich begrüßt. Die Anlage an sich war schön und sauber, aber teils baufällig und gefährlich für kleine Kinder. Das Zimmer war eins der schönsten, auch der Pool mitten in einem Urwald ‚light‘ hatte seine Attraktivität. Wir haben trotz einiger Mängel den Aufenthalt sehr genossen und wie immer das Beste daraus gemacht.

Am ersten Tag besuchten wir die Reisterrassen und machten eine lange Wanderung, die wir mit einem Mittagessen bei grandiosem Blick beendeten. Danach ließen wir uns zu einem nahegelegenen Wasserfall fahren, in dessen Flusslauf wir badeten. Ein richtiges Abenteuer – vor allem für Rice.

Am nächsten Tag buchten wir einen Transport nach Ubud Zentrum und genossen die Atmosphäre der Stadt mit gutem Essen und Getränken. Mit seinem Milkshake gestärkt, war mein Sohn kaum zu halten als es in den Monkey Forest ging. Ein tolles Erlebnis. Ich selbst hätte gerne mehr Zeit in den kleine Shops und Läden von Ubud verbracht, aber mit Kind und bei der Hitze war es dann schnell genug. Ein tolles Abendessen beim Inder beendete den Tag. Nicht ganz – das war der Abend, an dem mein Freund und ich uns unsere mitgebrachte Weinflasche aus der Pfalz öffneten. Soviel Platz im Backpack muss sein.

Das Highlight für mich war der Night Market – absolut lokal – in der Nähe unseres Hotels, wo ich die beste Baksu meines Lebens aß. Selbst mein Freund und mein Sohn ließen sich von meiner Begeisterung überzeugen und nach anfänglichem Misstrauen der Hygiene gegenüber, hatten wir jeder eine Schüssel Baksu gegessen. Danach noch Spanferkel. Köstlich und jederzeit zu empfehlen.

Nach 3 Nächten ging es weiter.

Amed

Es war eine lange, aber schöne Fahrt. Entlang von unendlichen, verlassenen Stränden mit tiefschwarzem Sand, azurblauem Meer und einer türkisweißen Gischt aus nicht enden wollenden Wellen. Mittagspause an einem kleinen Warung direkt am vulkanschwarzen Sandstrand mit herrlicher Aussicht.

Die Ankunft im Hotel ‚Classic Beach Villas‘ kann man damit vergleichen durch ein Portal in eine andere Welt zu gehen. Durch einen herrlichen Garten wurden wir zu unserem Bungalow mit Meerblick von der Veranda aus gebracht. Direkt vor uns der große Pool mit separatem Kinderbecken, der instant von meinem Sohn genutzt wurde. Perfekter konnte es nicht sein. Wir tranken erst einmal gemütlich ein kaltes Bintang, während wir den Kleinen im Blick hatten und er nicht müde wurde im Wasser herumzuspringen.

Angekommen heißt, auskundschaften. Als erstes über die kleine hoteleigene Meersalzproduktion an den Strand, wo es eine handvoll kleiner Warungs und Hotelrestaurants gab, die keine Wünsche offen ließen. Im Meer planschen, Sandburgen bauen, im Pool unter Frangipanibäumen Ball spielen und die Sonne genießen war Hauptprogramm in den nächsten Tagen.

Außerdem gönnten wir uns eine sehr wohltuende Massage in einem der benachbarten Massagestudios – nacheinander natürlich. Denn Rice brauchte derweil Programm um auszupowern. Wir aßen mittags in kleinen Warungs und Restaurants entlang der einzigen und doch sehr ruhigen Hauptstraße der Ortschaft. Wir machten eine Strandwanderung zur Schnorchelbucht, wo wir große und kleine Fische, Korallen, Seesterne und mehr beobachten konnten.

Alles entspannt, entschleunigt und der Hitze des Tagesverlaufes angepasst. Mittags meist ein Schläfchen auf dem Terrassenbett der Veranda. Herrlich. Eine super Erfahrung war es, die Salzproduktion zu beobachten und dann auch mal mitzumachen. Bewunderung auslösend für diejenigen, die diese schwere, kräftezehrende Tätigkeit 7 Tage die Woche ausüben. Wir kauften viel von dem Salz und gehen sparsam damit um, denn man weiß wie schwer es erwirtschaftet wurde. Und es hat tatsächlich einen super Geschmack.

Das allabendliche Highlight war der Sonnenuntergang genau hinter dem Ayung Agung. Eine magische Atmosphäre verbreitete sich gleichermaßen unter Touristen und Einheimischen. Man setzte sich auf den schwarzen Sand am Strand um das Spektakel andächtig beobachten zu können. Wie die Sonne genau im Krater verschwindet und die abendliche Himmelsröte danach den beschwörenden Eindruck hinterlässt, dass dieser Vulkan lebt und jederzeit Feuer spucken könnte. Wunderschön!

Dann galt unter den wenigen anwesenden Touristen ausgelassene Stimmung – Zeit zu essen, zu trinken und zu feiern. Kinder rannten und spielten am Strand um die Tische und Stühle herum. Lokale Kinder wie die der Touristen. Ein schönes Bild, wie schnell sich Kinder unterschiedlichster Herkunft – ohne eine gemeinsame Sprache sprechen zu können – verständigen.

Es war fast traurig als der Tag der Weiterreise kam. Denn hier hätten wir für immer bleiben können ohne zu merken wie die Zeit vergeht. Dennoch warteten neue Abenteuer auf uns.

Wir ließen uns von einem Fahrer bis an die Küste Fahren von der aus Fähren nach Nusa Lembongan übersetzen. Ein interessanter Ort, an dem wir abgesetzt wurden. Zunächst war ich skeptisch und dachte, der Fahrer wolle eine Pause einlegen. Denn es erinnerte so gar nichts daran, dass hier ein Hafen sein könnte. Es hatte aber auch nie jemand von Hafen gesprochen, nur von dem Boot, welches hier ablegt. Ein Unterstand mit einigen Bänken. Ein paar Verkäufer, die ihre Waren wie Wasser, Getränke und Baksu feilboten. Einheimische mit viel Gepäck, unter anderem lebendigen Hühnern. Und ein kleines Häuschen, in welchem offenbar die Tickets zu erwerben waren. Ja, wir waren richtig. Am sogenannten Fährterminal. Die Fähre machte an einem zweifelhaften Schwimmsteg am Strand fest. Dann hieß es warten und beobachten. Es gab viel zu beobachten. Andere Transportfähren, die die einzige Versorgung von Nusa Lembongan sind, wurden per Manneskraft ent- und beladen. So, dass man nicht wissen konnte, ob das Gepäck oder das ganze Boot wirklich ankommt.

Dann war unsere Fähre da und wir in 20 min auf Nusa Lembongan.

Nusa Lembongan – Secret Beach

Dort angekommen, herrscht erst einmal Chaos. Zunächst müssen alle Passagiere nacheinander auf ein Anlegerboot umsteigen, da unsere Fähre nur abseits vom Strand ankern konnte. Gewagte Manöver. Abspringen vom Anlegerboot, nassgespült von den Wellen. Sand unter den Füßen. Die Flip Flops und Kind im Arm. Umschauen. Klares erstes Urteil: noch ein Paradies. Aber Achtung vor den Festmacherleinen!

Warten auf das Gepäck und dann die Suche nach einem der offenen Transportwägen, die uns zu unserem Hotel brachten – natürlich nach einigem Feilschen. Mein Sohn feierte diese Fahrt ohne Anschnallgurt – mit Wind im Haar so sehr, dass ich gleichzeitig lachen musste und die ein oder andere Freudenträne verdrückte.

Wieder hatten wir uns ein Hotel ganz am Ende der Straße gewählt. Kennt ihr das Gefühl wenn man denkt, der hat sich doch bestimmt verfahren? In der Tat, dort angekommen war die Erfahrung nicht ganz so magisch wie zuvor in den ‚Classic Beach Villas‘, aber es waren schöne, moderne Zimmer, die sauber und gut ausgestattet waren. Mein Freund feierte noch die USB Lade-plug ins, während ich die zweite und letzte Kakerlake, die uns in dem Urlaub begegnete erledigte. Kommt vor in den Ländern!

Aber insgesamt merkte man im ‚Lotus Huts‘ die fehlende Seele. Eine reine Männercrew, die uns das Zustellbett nicht eingerichtet hatte. Aus meinem Bauchgefühl heraus wusste ich, dass schnelle Abhilfe nur durch ein üppiges Trinkgeld im Voraus geschaffen würde. So war es. Die daraufhin entgegengebrachte Aufmerksamkeit und Freundlichkeit hielt aber nur begrenzt. Wie es halt ist, wenn jemand nicht dafür lebt. Lieber habe ich es umgekehrt, und überrasche am Ende mit Trinkgeld.

Auch hier hatten wir eine gute Zeit. Ein Riesengecko wohnte in unserem Dach und überraschte uns jeden Abend mit seinem Geschrei. Als mein Sohn spätabends davon aufwachte war er besorgt, morgens als er den Gecko sah begeistert. Wie von dem Hahn, der mit letzter Kraft in seinem Käfig in der Sonne ein stimmbruchhaftes Krähen von sich stieß. Traurig, aber trotzdem lachen wir bis heute darüber.

Wir erkundeten den Secret Beach – Achtung vor der Brandung in bestimmten Jahreszeiten – den Mushroom Beach und alles was so in fußläufiger Reichweite war. Der Weg zum Secret Beach gehört zur Abenteuerkategorie. Aber dann einen Strand für sich allein zu haben ist es wert!

Wir fanden deutsche Reisekumpanen, die Kinder freundeten sich an. Also verbrachten wir viel Zeit miteinander. Glücklich, dass die Kinder sich mal selbst beschäftigten.

Dann packte uns der Drang, mehr zu sehen, unterwegs zu sein. Wir mieteten einen Roller. Machten einzeln Übungsfahrten. Und dann saßen wir zu dritt darauf. Das veränderte alles. Wir waren am Tag, an dem die Seegöttin ruht und man nicht an den Strand und ins Meer darf auf der ganzen Insel unterwegs. Am Blowhole, Dream Beach, Yellow Bridge und mehr. Das Blowhole ist atemberaubend mächtig. Eine solche Naturgewalt in der Form habe ich noch nicht gesehen. Wellen, die ungebremst an Felsklippen branden, viele Meter in die Höhe schnellen und die Erde unter den Füßen erbeben lassen. Man bekommt erneut Respekt vor Mutter Natur.

Ja, wir ließen es uns gut gehen. Wir aßen in Warungs gutes, günstiges Essen und kauften unser Bier im Supermarkt. Wir waren ja jetzt mobil. Manchmal einfach so die Straße entlangfahren. Mit Wind im Gesicht. Ein Gefühl wie früher. Frei.

Es kam der Tag, an dem wir auf Nusa Lembongan in ein anderes Hotel umzogen – spontane Entscheidung. Eine der Besten.

Nusa Lembongan – über den Klippen

Ein sehr abenteuerlicher Weg führte uns zum ‚Bali Belva Hotel‘. Nichts befestigt. Wir lachten viel. Über das Geschaukel, aber zugegebenermaßen auch über Touris, die sich abquälten, diese Straße mit ihren Riesentrollis zu bewältigen. Wie viel Wert ein Backpack in diesen Ländern hat, konnte kaum klarer werden als auf Nusa Lembongan. Denn selbst an den Stränden gab es immer ‚Schlittenspuren‘.

Die Einfahrt hinein und da war es wieder: das Gefühl so sehr willkommen zu sein. Die Seele, die Liebe zum Detail, die Herzlichkeit. Der Gastgeber macht den Unterschied!!! Und dann diese Aussicht. All die Bonsais. Wieviel Geduld und Arbeit darin steckt, merkt man in selbem Maße wie Gäste behandelt werden. Ein pikobello Zimmer. Außenbad. Alles sauber. Moskitonetz, Bett und Zimmer wird morgens hergerichtet. Wenn man abends wieder kommt, ist das Moskitonetz und das Bett für die Nacht vorbereitet. So etwas ist einzigartig.

Wir verbrachten viel Zeit im Pool. Fast meditativ über dem Infinity Rand hängend und aufs weite Meer hinausschauend. Und auf dem Roller. Jeden Abend ein neues Restaurant – schick sogar. Gut besucht. Wir dachten, wir machen nichts falsch, aber leider bestätigt sich mal wieder: lieber lokal, Night Market mit zweifelhaften Hygienestandards, lieber Warung als schickes Restaurant. Denn nach jedem einzelnen hat es mindestens einen von uns magen-darm-technisch erwischt. Wir waren gut aufgestellt mit Reisemedikamenten, also hat es keinen Abbruch getan.

Einen Tag fuhren wir über den Jungutbatu Beach zu den Mangrovenwäldern und machten eine sehr sehenswerte Tour. Allerdings sollte man selbst schon einiges darüber wissen, denn es wird wenig erklärt.

Wir wollten es nicht wahrhaben, aber die Zeit ging zu Ende. Wir mussten wieder zurück auf das Gefühlte Festland Bali. Mit richtigem Auto – als Ehre unserer Gastgeber gedacht – zur Enttäuschung meines Sohnes und auch unserer zugegebenermaßen, ging es zum Fährterminal am Mushroombeach. Um dieselbe Prozedur retour nach Sanur zu machen.

Aber wer denkt, damit wären unsere Stationen voll, täuscht sich. Diesmal war das neue Ziel Seminyak.

Seminyak

Nach den wechselnden Hotelgefühlen, war mir mulmig, als ich die schmale nur fußläufig begehbare, zwischen großen Hotelmauern und vermüllte Zugangsgasse entlanglief, während goolge Maps mir immer noch weißmachte, dass dies der richtige Weg sei. Goolge Maps hatte recht. Irgendwann standen wir vor einem Tor, nur eine seitliche Tür geöffnet, unscheinbar darüber vermerkt: ‚Secret Home‘. Der Name ist hier wohl Programm. Und wie wir beim Eintreten und die restliche Zeit feststellten, war es so. Ich habe noch nie ein solches ZuHause-Gefühl in einer Unterkunft empfunden. Eine solch herzliche und ehrlich gemeinte Willkommensatmosphäre trotz ständig wechselnder ‚Hotelfamilie‘ sozusagen.

Ein überwältigender Garten begrüßte mich – das ist immer ein Zeichen von Liebe, Hingabe und Gemütlichkeit. Ein noch schöneres Zimmer, Maisonettstyle erwartete uns. Jede Ecke, jedes Detail, sogar der Fußboden im Bad war etwas Besonderes. Ein Hammock quer über das Erdgeschoss. Highlight für Rice. Er hatte sein eigenes großes Bett – unten. Wir oben. Was für ein Luxus. UndIch war ziemlich sprachlos, als wir dann den Koiteich mit Schildkröte sahen, die Rice dann aus der Hand füttern durfte, also ich den in den Garten eingebetteten Pool voller pinker Blüten bemerkte und also uns die Küche zur freien Mitbenutzung zur Verfügung gestellt wurde. Die Früchte seien keine Deko, sondern wir können nehmen was wir möchten. Früchte wie Maracujas, Ananas und Drachenfrucht.

Ich glaube die Hausdame merkte, dass ich von dem Konzept überwältigt war. Ich traute mich nicht so recht, obwohl wir hungrig waren. Also machte sie uns jeweils eine hervorragende Bali Bowl, ein Avocado Toast mit Ei und einen Kaffee.

Ein Paradies im Paradies.

Der Besitzer kam schon bald persönlich zu uns, als wir auf der Veranda relaxten. Er erklärte uns, dass wir am Strand bei einem Hotelpartner kostenfreie Stühle und Surfboards ausleihen können, ebenso wie Sandspielzeug. Die Bedingung sei ein kleiner Konsum an Getränken.

Wir machten uns auf und fanden eine Unendlichkeit an Strand vor, die wir nicht erwartet hatten. Gleichzeitig mussten wir uns an die vielen Menschen, den Trubel und die laute, aber stimmungsvolle Musik gewöhnen. Es war schön. Wir nutzten das Angebot des Hotels am Strand, welches bei den Preisen in Seminyak unschlagbar gut ist. Einmal bekamen wir ein vollwertiges Picknick im großen Korb mitgeschickt – neben dem Haushund Susi, der uns immer und überall begleitete und vor anderen Hunden beschützte.

Wir verbrachten Zeit damit, surfen zu üben. Am Strand entlangzurennen, die Füße vom Wasser überspülen zu lassen. Oder den ganzen Körper. Abends gönnten wir uns Wein und Pizza oder was sonst so angeboten wurde. Und wir tanzten – ausgelassen.

Denn dann ging es ja schon wieder zurück. Viele bittere Tränen meines Sohnes mussten deswegen getrocknet werden. Aber die Erinnerungen bleiben. Auch bei ihm. Ich bin selbst heute manchmal erstaunt, an welche Details er sich erinnert.

In der Hoffnung, dass die Generation meines Sohnes und deren Nachkommen dieselben paradiesischen Strände vorfinden können. Mit der Nachricht, dass Vorurteile Scheuklappen sind und im schlimmsten Fall internationale Konflikte auslösen können. Schaut euch selbst um, und nehmt das Gute mit.

Eure am liebsten weltenbummelnde Nadine mit Anhang

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